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Kleinschemlak nach dem Ersten Weltkrieg

Vor 100 Jahren — ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs — stand das Banat vor starken und nachhaltigen Veränderungen: territorial- und ethnopolitisch, wirtschaftlich, demographisch und kulturell„  schrieb Josef Wolf in der Banater Post Nr. 5-9/2019 in seinem 4-teiligen Aufsatz  unter dem Titel Die Banater Schwaben am Ende des Ersten Weltkriegs: Loyalitätswandel und ethnopolitische Neuerfindung. Der Aufsatz bildet die Grundlage für die nachfolgenden Ausführungen.


VON LUDWIG LUTZ


Wie war die Stimmung nach der Verkündigung der Mobilisierung?

Geier S. 45:  „Als die Trommel die Mobilisierung verkündete, da ward es plötzlich still im Orte. (…)“

Was dachten die Leute zu Kriegsbeginn?
Wolf: „Beim Kriegsausbruch Anfang August 1914 zogen die Mobilisierten mit Optimismus in den Krieg, getragen von der Hoffnung, dieser werd bald zu Ende sein. (…) In den ersten Wochen war der Krieg sogar beliebt, richtete er sich doch gegen die unzumutbaren Provokationen des kleinen Serbien, dem eine Lektion erteilt werden sollte. Die allgemeine Auffassung war: „Mit Serbien werden wir gerade zum Frühstück fertig“. Dies brachte auch die Einschätzung über die kurze Dauer des Krieges zum Ausdruck — bis zur Weinlese Mitte September oder zur Maisernte Mitte Oktober.“

Wann kippte die Stimmung?

„Als es sich im Spätherbst 1914 abzeichnete, dass der Krieg zu Weihnachten nicht zu Ende gehen wird, breitete sich eine bedrückte Stimmung aus, die ihren Höhepunkt bei der Kapitulation der Festung Przemyšl erreichte. Nachdem im September 1914 der russisch Belagerungsring zunächst durchbrochen wurde, konnte dieser vom Feind am 9. November erneut geschlossen und die Festung erneut für 133 Tage belagert werden. Am 22. März 1915 ergab sich die aus 110 000 Mann bestehende österreichisch-ungarisch Garnison, davon einige Banater Regimenter, und ging in russische Gefangenschaft. Es war die größte Belagerungsschlacht des Ersten Weltkriegs und ein  erster Wendepunkt des Kriegsgeschehens an der Ostfront.“

Welches Ereignis schockte die banatschwäbische Bevölkerung am 27. August 1916?

An diesem Tag trat Rumänien an der Seite der Entente-Mächte in den Krieg. Der Jahrmarkter Ortspfarrer Franz Demele (1862-1923) berichtet in seinem Tagebuch, dass der Kriegseintritt Rumäniens in der Region eine „allgemeine Bestürzung und unmittelbare Angst hervorgerufen“ habe, obwohl dies schon seit längerer Zeit befürchtet worden war.

Welche Erinnerungen hat der l Heinrich Eberle an den Ersten Weltkrieg?

„… als der Erste Weltgrieg begonen hat 1914 habe ich auch müssen einrüken am 15.3.1915 bin ich das erstemahl ahn die Front in die Karpaten! fon Wersetz den ich var bei den 7. honvet  in Wersetz. in den Karpaten vahr damals noch bis zu 2 meter hoher Schnee. nach einem Monat hatte ich mir dan dort in den Karpaten die Füsse ferfroren und bin dan nach Hermanstat ins Krankenhaus komen! nach zvei Monat bin ich dan vieder nach Wersetz gekomen fon dort 14 Tage Urlaub und dan vieder ahn die Front. vieder ahn die Russische Front. In den Karpaten nach 6 Dahgen sind wir fon den Russen gefangen worden!- bei Tarnopel-Brodi in den Karpaten. dort haben wir noch 3 Schemlaker getrofen nähmlich Funk Adam, Geisheimer Adam Majhofer Josef und hei- nemann Jakob so vahren vir dan 5 Schemlaker! und die Russen haben uns fon dort bis Kief getriben zufuss. ein ganzes Mohnat. in der Früh auf. auf zum Marss. bis am Abent dan hat es zum Essen gege- ben. so eine Grautsuppe und ein venig Brod!-
fon Kief aus sind vir dan mit der
Heinrich Eberle (1894-1986)
Bahn bis Szamara. jetz heist es Gujbischev Trotzkoje Lager Niko- laskose Ujesta. dort vahren vir dan über Wintter. dan im Maj 1916 sind wir dan auf Arbeit zu den Bauern ferteilt vorden. der vo noch lebte. den die meisten sind gestorben über Wintter!- an Tiefus und sonst. Geisheimer A(dam) und Majhofer J(osef) varen auch gestorben!-
bei den bauern ist es uns guht gegangen. wir waren dort bis 1918. bis der Krieg zu end wahr. dan im November sind wir zuhaus komen! und im Januar 1919 haben wir geheirahtet die katharina Pantalon!